Experiences with Diabetes

(Deutsch) Ein guter Diabetologe. Was ist das?

Einen richtig guten Diabetologen zu finden, ist für mich heute sehr wichtig, aber leider auch gar nicht so einfach. Ich möchte einen Diabetologen, der mich ernst nimmt und der versucht mich zu verstehen.

Mit meinen ersten Diabetologen habe ich ziemlich schlechte Erfahrungen gemacht, weswegen ich noch Jahre später regelrechte Angst vor meinen Besuchen beim Facharzt hatte. Zugegeben, ich war damals nicht sonderlich gut eingestellt und hatte gerade in der Pubertät einfach viel zu viel um die Ohren, um mich richtig gut um meinen Diabetes zu kümmern. Aber ein bisschen Verständnis hätte ich mir schon gewünscht. Mein Diabetologe war damals ziemlich harsch. Er sagte mir klipp und klar, dass der einzige Grund für meine schlechten Werte ich selbst sei. Auf der einen Seite hatte er recht, aber ein bisschen mehr Verständnis hätte nicht geschadet, gerade in einer so schwierigen Zeit wie der Pubertät.

Schuldzuweisungen

Weitere Schuldzuweisungen bekamen meine Eltern zu hören, die sich laut meinem Arzt nicht genug um mich kümmerten. Oder besser gesagt, die mich nicht genug kontrollierten. Dabei wäre mehr Kontrolle kaum möglich gewesen.

Außer Schuldzuweisungen passierte zu der Zeit nicht viel in meinen Sitzungen in der Klinik. Das hinterließ seine Spuren. Eine Zeitlang ging ich gar nicht mehr zu einem Diabetologen, bis ich meine jetzige Ärztin fand.

Diabetes die Wundertüte

Obwohl ich mit einer Ketoazidose zu ihr kam, verurteilte sie mich nicht. Sie hört mir zu und versucht mich zu verstehen.  Sie hat Verständnis dafür, dass es auch mal Tage gibt, an denen wir Patienten keine Lust auf unseren Diabetes haben, oder dass wir auch einfach mal überfordert sind. Für sie selbst ist Diabetes manchmal eine Wundertüte. „Man weiß nie, was als nächstes passiert.“ Von ihr bekomme ich Zuspruch und Tipps, die über die reine Diabetestherapie hinausgehen.

 

Wir besprechen meine Werte und erarbeiten zusammen einen Lösungsweg für meine Probleme. Sie gibt mir Hilfestellung, den Rest mache ich dann meist alleine.
Und genau das macht heute für mich eine gute Diabetologin oder einen guten Diabetologen aus. Ich möchte Mitspracherecht bei meiner Therapie haben. Denn es geht hier schließlich um meinen Körper und mein Leben. Ich weiß immer noch am besten, was ich im Alltag realisieren kann und was nicht.

Der Ton macht die Musik

Ein guter Facharzt sollte meiner Meinung nach mit seinen Patienten im Dialog kommunizieren und nicht im Monolog. Er sollte mir mit seinem Wissen helfen und es nicht alleine dazu anwenden, mir zu sagen, was ich alles falsch mache. Natürlich soll er mich auch auf Fehler hinweisen, aber der Ton macht bekanntlich die Musik. Wenn ein Arzt mir zu viele gute Ratschläge erteilt, oder mir Ziele vorgibt, die in meinen Augen unerreichbar sind, verfalle ich gerne in die „Sie müssen ja nicht mit der Krankheit leben“- Haltung, die ich als Teenager oft hatte. Für einen guten Arzt spricht immer, dass er Verständnis zeigt und versucht sich in seine Patienten hineinzuversetzen. Das ist natürlich nicht einfach, dass verstehe ich auch, aber oft merkt man es schon, wenn der Arzt dabei einen guten Willen zeigt und das würde mir reichen. Nur möchte ich als Patient nicht von oben herab behandelt werden.

Das ich den Anspruch auf einen guten Facharzt habe war mir lange gar nicht bewusst. Ich ging einfach immer zum nächstgelegenen Diabetologen. Dass das ein Fehler war, weiß ich heute. In einem halben Jahr werde ich umziehen und ich weiß heute, dass ich nicht gleich zum ersten Diabetologen gehen werde, sondern mir mit Sicherheit ein paar ansehen werde und gucken werde, welcher Arzt am besten zu mir und meinen Bedürfnissen passt.

Aber genug von mir, wie ist das bei euch? Seid ihr mit eurem jetzigen Diabetologen zufrieden? Wie habt ihr den „richtigen“ gefunden?

Lisa (seit ´99 Diabetikerin) begleitet uns in 2018 mit kleinen Anekdoten aus dem Alltag. Sie bloggt von Momenten der Stärke und der Schwäche, vom Diabetes-Blues, der so manches Lied mit einem spielt und motiviert zum Weitermachen.

 

Leave a Reply