Experiences with Diabetes

Wie finde ich einen guten Diabetologen

Wenn der Ruf vorauseilt

Als mein Bruder Mitte der 80er Jahre Diabetes bekam, wollten meine Eltern unbedingt einen guten Facharzt für ihn finden. Auf ihrer Suche danach besuchten sie einige Diabetologen und Kliniken im Umkreis von 70km. Irgendwann erfuhren sie, dass ein Arzt, der ein ziemlich gutes Buch über Diabetes geschrieben hatte, in ihrer Nähe praktizierte. Da wollten sie unbedingt hin – also wechselten sie den Diabetologen. Am Ende wurden sie leider enttäuscht. Nichts aus dem Buch wurde auf der Station umgesetzt, der Arzt selbst war meistens gar nicht da, er hielt Vorträge über sein Buch. Da eilte dem Arzt sein Ruf wohl meilenweit voraus. Mit Sicherheit gibt es dennoch Menschen, die damals mit diesem Diabetologen zufrieden waren. Wichtig ist, dass wir alle unterschiedliche Menschen, mit unterschiedlichen Bedürfnissen, sind. Was für den einen bei der Diabetestherapie unheimlich wichtig ist, interessiert den nächsten schon gar nicht mehr. 

Deswegen passt auch nicht immer jeder Arzt zu uns, egal wie gut sein Ruf ist. 

Mir selbst ist das Zwischenmenschliche bei einem Arzt-Patienten-Verhältnis unheimlich wichtig. Ich möchte einen Arzt, der mit mir auf Augenhöhe spricht und auf meine Wünsche und Bedürfnisse eingeht. Und mit dieser Einstellung stehe ich nicht alleine da. 

Die Suche nach einem guten Diabetologen 

Die Suche nach dem „Richtigen“ startet heut meist im Internet. Man sucht, liest und klickt. Vor allem die Qualifikationen wie auch die Bewertungen anderer können dabei sehr helfen. Dafür kann man sehr gut die regionalen Diabetes-Gruppen bei Facebook wie z.B. „Hannovers Typ 1 DiaMonster“, aber auch überregionale Gruppen wie die große „Diabetes Typ 1 Gruppe“, nutzen. Einfach mal in die Runde fragen, welcher Diabetologe in der Gegend „ein guter“ ist. Man bekommt mit Sicherheit viele verschiedene Antworten, aber einen hilfreichen Überblick. Hat man an einem Arzt mehr Interesse, kann man natürlich noch weitere Fragen stellen. Am besten direkt per Mail oder Telefon.

Ich finde die persönlichen Erfahrungen von anderen zwar immer interessant und hilfsbereit. So auch Bewertungen bei Google, Jameda oder Yelp. Jedoch gibt es keine wirklich allgemeingültige Regel unter der man den richtigen Diabetologen weiterempfehlen kann: Denn so wie individuell jeder Einzelne ist, so individuell sind auch unsere Bedürfnisse in der Therapie. Keine Bewertung der Welt kann mir letzlich die Entscheidung für den richtigen Arzt abnehmen.

Dennoch gibt es im Internet ein paar ganz nette Suchoptionen für Diabetologen. Z.B. auf der Seite von Diabsite und  Diabetes Deutschland . Auf der Seite des DDGs kann man sogar nach passenden Psychodiabetologen schauen, von denen es momentan deutschlandweit noch gar nicht so viele gibt. 

Wenn ich den Arzt also so gut es geht „ausgecheckt“ habe und glaube, dass er der richtige Facharzt für mich sein könnte, dann steht auf jeden Fall ein persönlicher Besuch auf dem Plan. Und das ist tatsächlich entscheidend. Er kann noch so großartige Qualifikationen vorweisen, jedoch zwischenmenschlich nicht mit mir auf einer Wellenlänge sein. In diesem Falle, ist der Suche noch kein Ende gesetzt. Ich bin erst dann glücklich, wenn ich einen guten, nein, für mich den passenden Diabetologen gefunden habe.

Was macht einen guten Diabetologen aus?

Ein guter Diabetologe motiviert und ermuntert, schlägt dir neue Diabetes-Hilfsmittel vor, dadurch, dass er immer auf dem neusten Stand ist und hilft dir dabei deine Lebensqualität zu verbessern – nicht nur deinen HbA1c-Wert. 

Er redet dir gut zu, macht Dir Mut, leistet Unterstützung und droht dir nicht mit schrecklichen Folgeerkrankungen. Sein Geheimnis ist es, die Angst zu nehmen und schlechte Gewissen zu vermeiden. Im Gegenteil: Er hört zu und geht auf deine Wünsche und Bedürfnisse ein. Im besten Fall analysiert ihr zusammen deine Werte und besprecht gemeinsam mit der Hilfestellung des Arztes, wie man Therapie und Lebensqualität optimieren kann. Und das idealerweise bei einem Treffen auf Augenhöhe.

 

Lisa (seit ´99 Diabetikerin) begleitet uns in 2018 mit kleinen Anekdoten aus dem Alltag. Sie bloggt von Momenten der Stärke und der Schwäche, vom Diabetes-Blues, der so manches Lied mit einem spielt und motiviert zum Weitermachen.

 

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